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29.07.10 15:13 Uhr | Bereich: Neuigkeiten

ABIE – bundesweites Forschungsprojekt zu Abbrüchen in stationären Erziehungshilfen

Die Diakonie-Stadtmission Dresden nimmt mit dem Bereich stationäre Kinder- und Jugendhilfe (sKJH) und unter Beteiligung des Jugendamts Dresden u.a. an diesem Forschungsprojekt teil. Der Beginn ist ab September diesen Jahres geplant. Über 750 junge Menschen und ihre Familien aus bundesweit über 50 Einrichtungen werden ein Jahr lang wissenschaftlich begleitet. Dieses ist das bisher umfangreichste Projekt seiner Art. Bei der Untersuchung werden die Sichtweisen von jungen Menschen, Eltern, Einrichtungen und Jugendämtern, einbezogen.

Bereist seit längerem beschäftigen wir uns als Bereich sKJH mit Fragen wie: „Wie kommen Heimaufenthalte zu einem guten Ende?“, „Was macht junge Menschen und ihre Eltern zufriedener oder unzufriedener mit dem Heimaufenthalt?“ oder „Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Einrichtung und Familie gelingen?“ Genau aus diesem Grund arbeiten wir seit längerem an der Verbesserung unserer Qualität. Zusammen mit dem Jugendamt und anderen am Thema interessierten freien Trägern, arbeiten wir in Arbeitsgruppen wie der AG Hilfen zur Erziehung, der UAG Haltefähigkeit, der UAG Qualitätswerkstätten oder der UAG Planung zu diesen und ähnlichen Themen. Aus genau diesem Grund haben wir als Träger vor mehr als zwei Jahren die Evaluationssoftware PädZi eingeführt. Sie soll uns helfen, Schwachstellen unserer Arbeit aufzudecken, die Hilfeverläufe zu analysieren und Rückschlüsse für künftige Fälle abzuleiten. Seit mehreren Jahren befragen wir Nutzer und Auftraggeber (Familien und Jugendamt) unserer Dienstleistungen am Ende jeder Hilfe. Ein entsprechend anonymisierter Fragebogen wurde seinerzeit in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule für Sozialarbeit in Dresden entwickelt. Auch hier geht es darum, Feedback über uns und unsere erlebte Arbeit zu bekommen, um eine nicht immer leichte Arbeit kontinuierlich zu verbessern. Wir haben so bereits zahlreiche wertvolle Hinweise und Anregungen erhalten. Wir sind stolz darauf, dass wir nicht zuletzt dadurch die Zahl der Abbrüche in den letzten Jahren niedrig halten konnten. Neben diesen Bemühungen beschäftigen uns die wenigen Fälle, die aus welchem Grund auch immer, nicht zu einem positiven Ende geführt werden konnten. Die Frage „Wohin mit den Schwierigsten?“ beschäftigt uns nicht nur in unserer hochspezialisierten Intensivwohngruppe sondern begegnet uns immer häufiger auch in Anfragen für unsere Heilpädagogischen Wohngruppen am Oberen Kreuzweg 5 und im Kinderhaus RABE. Komplexe Vorgeschichten mit zum Teil jugendhilfebedingten Abbrüchen, einhergehend mit traumatischen Erlebnissen wie Missbrauch, Gewalterfahrungen und ähnlichem machen den Beginn einer stationären Hilfe zur Erziehung per se nicht einfacher. Wir bedenken immer, dass hinter jedem „Fall“ auch ein Mensch mit seiner ganz individuellen Biographie steckt. Daraus ziehen wir unsere Motivation, uns diesem Thema zu widmen.

Nicht jeder Abbruch hat etwas mit Versäumnissen zu tun oder kann monokausal auf die eine oder andere Ursache zurückgeführt werden. Oftmals kommen mehrere, zum Teil wenig beeinflussbare Faktoren, aufeinander. Unser Anspruch, möglichst jedem Kind oder Jugendlichen der zu uns kommt in seinem individuellem Bedarf gerecht zu werden, ermutigt uns immer wieder, auch aus diesen Fallverläufen zu lernen. Das ABIE Forschungsprojekt soll uns dabei mit wissenschaftlicher Unterstützung helfen, einen großen Schritt voranzukommen. Damit mehr junge Menschen erreicht werden können, ist es wichtig zu verstehen, was zu einer guten Wirksamkeit führt und wie eventuellen Problemen und Krisen bereits im Vorfeld begegnet werden kann. Wir freuen uns auf die sicherlich spannende Zusammenarbeit mit anderen am Projekt teilnehmenden Trägern, wie der Universität Bielefeld, dem ELS Institut und dem EREV – Evangelischer Erziehungsverband. Das Forschungsprojekt wird gefördert von der Aktion Mensch. Nähere Informationen erhalten Sie im Internet unter:
http://www.els-institut.de

Reinhard Fries
(Bereichsleitung sKJH)

 

 

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