03.03.2017 | Neuigkeiten

Bildung für über 18-Jährige Geflüchtete in Sachsen

Ein Bündnis von 19 Akteuren fordert in einem Positionspapier Bildung für über 18-Jährige Geflüchtete in Sachsen den Freistaat Sachsen auf, ein Landesprogramm ins Leben zu rufen, um diese schwerwiegende Lücke im Bildungssystem zu schließen. Zu den Unterstützern zählen u.a. der Sächsische Flüchtlingsrat, der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Diakonie und der DGB Sachsen.

Kontakt bei Rückfragen:
Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.
Dr. Gesa Busche
Tel.: (0351) 30 99 01 021
busche(at)sfrev.de


Bildung für Ü 18-Jährige Geflüchtete

Die Situation für (junge) erwachsene Geflüchtete in Sachsen ist weiterhin herausfordernd. Es besteht die Notwendigkeit für viele Geflüchtete, Bildung nachholen zu wollen und zu müssen, um zum Einen den Zugang zum Ausbildungs- und/ oder ersten Arbeitsmarkt zu erhalten zum Anderen ihnen konstruktive Handlungsperspektiven in Sachsen zu ermöglichen. Die notwendigen Schritte, die vor der Aufnahme einer Ausbildung kommen müssen, sind - und dies tritt immer deutlicher hervor - neben Deutschkenntnissen insbesondere Allgemeinbildung und Fachkenntnisse. Diese können am sinnvollsten durch die Vorbereitung auf einen Hauptschulabschluss erworben und den potentiellen Arbeitsgeber/-innen nachgewiesen werden. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit sind im Dezember 2016 in Sachsen in den Rechtskreisen SGB II und SGB III 5013 Geflüchtete ohne Schulabschluss und 3213 Geflüchtete, die keine Angaben zu ihrem Schulabschluss gemacht haben, gemeldet. Von letzteren wird laut Aussage der Regionaldirektion Sachsen ein erheblicher Teil ebenfalls keinen Schulabschluss bzw. weniger als 9 Jahre Schulerfahrung besitzen. Bei einer realistischen Bedarfseinschätzung muss einerseits berücksichtigt werden, dass nur wenige Geflüchtete im Asylbewerberleistungsbezug in der offiziellen Statistik des SGB III erfasst sind. Andererseits sind nicht alle diese Menschen jedweden Alters ohne Schulabschluss bereit, einen solchen langen Weg bis zum Hauptschulabschluss schaffen zu können oder zu wollen. Die Lernmotivation jedoch ist bei den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr hoch. Eine weitere Konkretisierung der Zielgruppe lässt sich durch die Eingrenzung auf diejenigen vornehmen, die bereits über mindestens 4-5 Jahre Schulerfahrung (im Herkunftsland) verfügen und sich im jungen bis mittleren Erwachsenenalter befinden. Nach unseren Erfahrungen sowie im Austausch mit Expert/-innen rechnen wir mit knapp 4000 erwachsenen Geflüchteten, die einen Schulabschluss in Sachsen nachholen können und wollen. Diese Situation der vielen ungelernten und unqualifizierten jungen Menschen sollte die Politik weiter anspornen, hier in Sachsen passgenaue Bildungsangebote vor allem für junge Erwachsene unabhängig ihres Aufenthaltsstatus zur Erlangung eines Schulabschlusses zeitnah weiter zu entwickeln. Aus bildungs- und integrationspolitischer Perspektive ist ein eigenes Landesprogramm das geeignetste Instrument zum Nachholen eines Schulabschlusses. In diesem werden innerhalb von 2 bis 3 Jahren für den o.g. Personenkreis in Form einer Vollzeitbeschulung sowohl Fachunterricht als auch Deutsch als Zweitsprache und Berufsorientierung angeboten. Dieses Konzept wäre vergleichbar mit den Modellklassen, die aktuell in Moritzburg begleitet werden. Gerne möchten wir die Entwicklungen und Entscheidungen für eine nachhaltige Bildungs- und qualifizierte Arbeitsmarktintegration für Geflüchtete in Sachsen zusammen mit Ihnen weiter fachlich begleiten. Dazu stehen wir Ihnen mit unseren Erfahrungen gern zur Verfügung.