Diakonie Stadtmission:

Aus e.V. wird gGmbH

26.06.2020 | Neuigkeiten

Corona: Einsätze unserer Mitarbeiter*innen in anderen Einrichtungen

Viele Wochen waren die Kitas der Diakonie Dresden geschlossen und konnten nur eine Notbetreuung anbieten. Auch weitere Einrichtungen waren in ihrem Arbeitsalltag eingeschränkt. In dieser Zeit haben viele Erzieher*innen und Mitarbeiter*innen weiterer Bereiche tatkräftig in anderen Einrichtungen unterstützt. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen.

Thomas Zwarg, Mitarbeiter in den Wichern-Werkstätten in Freital (Anerkannte Werkstatt für Menschen mit Behinderung) war im Haus „Mätzold“ tätig
Durch die coronabedingten Einschränkungen in der Freitaler Werkstatt für Menschen mit Behinderung ergab sich auch für mich die Möglichkeit, meinen Wirkungskreis und Erfahrungshorizont zu erweitern. Das Gemeinschaftliche Wohnen Haus „Mätzold“ war mir namentlich schon bekannt, zwei Beschäftigte der Freitaler Werkstatt wohnen dort. Meine Hauptaufgabe war, die Bewohner auf mehr oder weniger ausgedehnten Spaziergängen zu begleiten. Aber auch Einkäufe, Arztbesuche, Gespräche, Gesellschaftsspiele und viele andere kleine Dinge des täglichen Bedarfs gehörten zu meinen unterstützenden Tätigkeiten. Immer einzeln und am Klienten orientiert – die strikten Regeln eröffneten auch die Möglichkeit einer besonders individuellen Betreuung.

Die Nähe zur Elbe und die teilweise historische Bebauung der Umgebung gemeinsam mit dem Frühlingserwachen boten viele Möglichkeiten, unterwegs auch den Kopf in Bewegung zu halten (Farben und Namen der Pflanzen, Anzahl der Treppenstufen usw.). Anfangs war der Bedarf an körperlicher Aktivität größer als meine Möglichkeiten. Zehn Kilometer kamen so pro Tag locker für mich zusammen – ein zusätzliches, persönliches Fitnessprogramm. Ich hatte vom ersten Tag an das Gefühl, gebraucht und angenommen zu werden. Das gilt für die Bewohner*innen ebenso wie für die Mitarbeiter*innen vor Ort. Vom Reinigungspersonal bis zur Hausleitung bestand die Möglichkeit des offenen Austausches sowohl auf dienstlicher wie auch privater Ebene. Ich habe die Zeit im Haus „Mätzold“ genossen und sie hat mir gezeigt, dass die „gelebte Dienstgemeinschaft“ nicht nur eine Phrase ist.

Stefanie Effenberger, in berufsbegleitender Ausbildung zur Erzieherin im Ev. Kindergarten Sonnenhügel Dresden-Cotta
Meine Zeit als „Gast-Erzieherin“ in der Wohngruppe 1 des Kinderhauses Rabe Dresden:
Als ich mich dazu bereit erklärte, in der Zeit der eingeschränkten Notbetreuung in einer anderen Einrichtung auszuhelfen, war meine einzige Bedingung, dass ich gern mit der jüngeren Altersgruppe arbeiten wollte. So landete ich schließlich in der Wohngruppe 1 des Kinderhauses Rabe. Hier wurde ich mit offenen Armen aufgenommen. Die Kolleg*innen gestalteten mit mir und den anderen „Gast-Erzieher*innen“ (so habe ich es den Kindern erklärt) den Alltag. Es war eine neue, aber auch schöne Erfahrung, keinen Kindergartenalltag, sondern einen familienähnlichen Alltag zu leben. Besonders angetan hatten es mir die jüngsten Mitglieder: So absolvierte ich quasi nebenbei noch ein kleines Krippenpraktikum und lernte auch hier schnell, auf was es zu achten gilt und war ganz begeistert von dem Geruch der Babys. Mit den großen Kindern habe ich gern gesungen – so oft, dass das eine oder andere Kind die Lieder wohl in Zukunft wiedererkennen wird. Herausfordernd waren für mich nur die letzten Stunden des Loslassens – wir hatten uns definitiv liebgewonnen. Nun freue ich mich darauf, nach langer Zeit wieder in den Kindergarten zu kommen, auf neue Aufgaben und auch den einen oder anderen Stolperstein.

Chris Lepczynski, Erzieherin in der Ev. Kita Himmelsschlüssel in Dresden-Weixdorf:
Seit 30. März 2020 half ich im Kinderhaus Dreikönige in Dresden-Klotzsche aus. Ich wurde in die Wohngruppe 3 mit sieben Kindern zwischen 0 und 6 Jahren integriert. Nun veränderte sich mein Alltag zur Kita komplett: andere Dienstzeiten, neue Kinder aus für mich völlig neuen Lebenssituationen, neue Kolleg*innen, ein etwas längerer Arbeitsweg und vieles mehr. Dennoch möchte ich diese Zeit nicht missen. Ich konnte vielseitige Erfahrungen in einem für mich völlig neuen Arbeitsumfeld sammeln. Jeder Tag war für mich eine Herausforderung, sei es das Einstellen auf die neuen Kolleg*innen oder die Kinder mit ihren verschiedenen Bedürfnissen. Es waren zwar nur sieben Kinder - im Gegensatz zu 16 Kindern, die wir in der Krippe betreuen - aber sie haben mich genauso herausgefordert und mein Herz erobert. Ich vermisse sie jetzt schon.

Julia Dielert, Erzieherin in der Ev. Kindertageseinrichtung „Senfkorn“ Dresden-Neustadt
Wie war Ihre Erfahrung in der neuen Einrichtung? Der Einsatz im Kinderhaus RABE war für mich eine spannende Zeit, die prägend, teilweise herausfordernd und schön zugleich war. Durch den Einsatz konnte ich meine Fähig- und Fertigkeiten einsetzen und weiterentwickeln. Das Arbeitsfeld zeigte mir ein weiteres Mal, wie vielfältig die Arbeit mit Kindern sein kann und wie bedeutend sie ist.

Was hat Ihnen besonders gefallen? Besonders gefallen hat mir die Zusammenarbeit im Team. Ich wurde dankend aufgenommen und wertschätzend behandelt. Ich wurde in die Abläufe mit eingebunden und konnte mich dadurch schnell einarbeiten und eine gute Beziehung zu den Kindern aufbauen.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie? Jedes Kind hat in seinen noch so jungen Jahren sein „Päckchen“ zu tragen. Mit dem dadurch entstandenen Verhalten pädagogisch wertvoll umzugehen, stellte für mich eine Herausforderung dar, die sich mit Hilfe von Gesprächen mit den Fachkräften auflöste und schlussendlich dazu führte, einen geeigneten Umgang mit den Kindern zu finden und eine Beziehung aufzubauen.

Gibt es etwas, das Ihnen in Erinnerung bleibt? In meiner zweiten Arbeitswoche im „Kinderhaus Rabe“ schaute mich am Morgen ein Kind beim Anziehen an, guckte auf die Tafel, die zeigt, welche Fachkraft zu welcher Zeit anwesend ist und schaute mich danach wieder an und sagte: „Julia, dein Foto fehlt.“ Ich habe mich sehr über diesen Satz gefreut und fühlte mich zugehörig! Die Kontinuität zeigte, dass ich für das Kind ganz selbstverständlich dazu gehöre.

Wie ist es, nach so langer Zeit wieder Ihre Schützlinge in der Kita betreuen zu können? Ich habe mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge vom Kinderhaus RABE verabschiedet. Ich hatte eine tolle, erfahrungsreiche Zeit. Doch ich freue mich auch sehr, in die Kita zurückzukommen, zu sehen, wie sich die Kinder weiterentwickelt haben, sich auszutauschen und wieder etwas mehr in den Alltag zu finden.

Martin Schreiter, Erzieher in der Ev. Kindertageseinrichtung „Bunte Fische“ Dresden-Neustadt
In der Zeit der Notbetreuung habe ich für 6 Wochen im Wohnheim Mätzold auf der Ludwig-Hartmann-Straße gearbeitet. Obwohl mir dank meines Zivildienstes und diverser Praktika die Arbeit mit Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung nicht gänzlich fremd ist, war es doch eine Herausforderung, weil ich im Grunde nicht wirklich wusste, was mich konkret erwartet. Die persönliche Eingewöhnungszeit dauerte allerdings nicht lange. Ich wurde sowohl von den Mitarbeiter*innen als auch von den Bewohner*innen sehr freundlich und herzlich aufgenommen und spürte von Beginn an ihre Freude, dass in dieser schwierigen Situation Fachkräfte aus anderen  Arbeitsbereichen der Stadtmission helfen, unterstützen und den Alltag ohne Werkstattbesuch mit ausgestalten. In den besagten 6 Wochen habe ich mit vielen Bewohnern ausgiebige Spaziergänge in Blasewitz unternommen, Spiele gespielt, bei verschiedenen Aufgaben assistiert und sehr interessante Gespräche geführt. Die Zeit verging häufig wie im Flug und ich bin froh und dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Der Abschied fiel mir am Ende nicht leicht und ich werde viele Bewohner*innen in sehr guter Erinnerung behalten.