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Diakonie Miteinander

14.06.2022 | Neuigkeiten

Mitarbeiterin Karolin Göhl über die Arbeit in der Seniorenberatung - jetzt auch im Hechtviertel

 

Seit 2012 ist die Ökumenische Diakonie-Sozialstation Dresden-BÜLOWH gGmbH eine Tochter der Diakonie Dresden. Neben der Sozialstation in Dresden-Loschwitz und einer Tagespflege in Bühlau, gehört auch die Seniorenberatung in den Stadtteilen Loschwitz, Klotzsche und Neustadt zum Angebot. In der Neustadt berät Mitarbeiterin Karolin Göhl auf der Georgenstraße Seniorinnen und Senioren, deren Angehörige und Menschen, die sich auf das Alter vorbereiten wollen. Im Interview gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit und informiert über das neue Beratungsangebot im Hechtviertel.

Frau Göhl, wie schätzen Sie die Situation von Seniorinnen und Senioren hier in Dresden ein? Ist Dresden eine seniorenfreundliche Stadt?

Karolin Göhl: Ich denke, Dresden ist keinesfalls seniorenunfreundlich. Oft werden die Möglichkeiten allerdings nicht seniorenspezifisch ausgewiesen, sondern sind für eine breite Bevölkerungsmenge gedacht. Ich könnte mir vorstellen, dass dadurch die Angebote von Kultur, Beratung, Sport und Bewegung, Zusammensein, Unterstützungsangebote zu wenig bekannt sind. Auch fehlt oft der Hinweis auf Barrierefreiheit. Seniorinnen und Senioren, welche Angebote unterschiedlichster Art für sich entdeckt haben, machen auf mich meist einen zufriedenen Eindruck. Es gibt aber noch sehr viel Entwicklungspotenzial bei den Fragen der Mobilität, einfacher und barrierearmer Sprache, Digitalisierung und Vernetzung von Angeboten.

Fällt Ihnen auf die Schnelle so ein Unterstützungsangebot ein, dem in jedem Fall mehr Bekanntheit gut tun würde?    

Karolin Göhl: Zum Beispiel die Angebote der Kulturloge. Dort werden freie Kulturtickets an Menschen mit einer nachgewiesenen Bedürftigkeit ausgegeben. Diesen unkomplizierten Antrag stellen wir in unseren Beratungsstellen zusammen mit den Menschen. Es werden auch immer zwei Tickets vergeben, sodass auch eine Begleitperson mitgenommen werden kann. Oder auch die Möglichkeiten des Begleitservices im ÖPNV. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen werden dadurch von zu Hause bis zum Zielort begleitet und können sicher Straßenbahn oder Bus fahren. Die städtischen Bibliotheken haben einen Bücherhausdienst. Ehrenamtliche Mitarbeitende betreuen die Lese – oder Hörlust von Menschen und bringen ausgewählten Lesestoff direkt nach Hause und auch wieder in die Bibliotheken zurück.

Wer nimmt Ihr Beratungsangebot vorrangig in Anspruch? Sind es die Seniorinnen und Senioren selbst oder die Angehörigen?

Karolin Göhl: Bei den Beratungsanfragen ist es ähnlich verteilt. Eine Statistik darüber führen wir allerdings nicht. Wenn es eine langfristige Begleitung braucht, dann sind es mehr Seniorinnen und Senioren. Den Angehörigen reichen meist ein bis zwei Gespräche, dann nehmen diese alles weitere selber in die Hand. Manchmal kommen Angehörige in größeren Intervallen wieder - immer dann, wenn es neue Herausforderungen gibt.

Mit welchen Fragen kommen die Menschen zu Ihnen? Gibt es vorrangige Themen, welche Ihnen in den Beratungsgesprächen besonders häufig begegnen?

Karolin Göhl: Vorrangig sind es Themen aus den Bereichen Pflege, Gesundheit und Schwerbehinderung, gefolgt von Fragen zur finanziellen Absicherung (Grundsicherung, Hilfe zur Pflege, Wohngeld, DD-Pass). Es gibt begleitende Themen wie Sammeln oder Messie-Syndrom, Verschuldung, Alkoholmissbrauch oder familiäre Konflikte. Oft braucht es zur Bewältigung des alltäglichen Lebens auch die langjährige Unterstützung durch die Seniorenberatung. Es werden auch die Themen Vorsorgevollmacht, Betreuung und Patientenverfügung nachgefragt. Über das Jahr hinweg begleiten wir auch bis zu fünf Wohnraumanpassungsmaßnahmen mit Beantragung der Finanzierung und Organisation der Umsetzung.

Wo unterstützen Sie noch bzw. gibt es Themen/Aufgaben, die Ihnen ganz besonders am Herzen liegen?

Karolin Göhl: Mir liegt tatsächlich am Herzen die Menschen soweit mit Informationen und Begleitung zu unterstützen, dass sie eine bessere Chance auf Selbstbetätigung, Wirksamkeit und Teilhabe haben. Ich glaube, dass gezieltes Wissen uns mehr ermöglicht und auch stärken kann. Auch versuchen wir die Seniorinnen und Senioren an digitale Möglichkeiten und Angebote heranzuführen, um den besten und individuellen Nutzen zu erkennen. Das kann die Online-Beratung sein, die Vermittlung zu medienpädagogischen Angeboten oder das gemeinsame Nutzen von Beratungsportalen.

Heute startet das neue Beratungsangebot im Hechtviertel. Wie kam es dazu?  

Karolin Göhl: Ich habe festgestellt, dass das Beratungszentrum in der Georgenstraße aus bestimmten Stadtteilen der Neustadt wenig Beratungsanfragen und Klienten hat. Das hat natürlich verschiedenste Gründe. Aber ein Grund könnte der weitere Weg und die hohe Bindung und Verankerung an den eigenen Stadtteil sein. Da ich den St. Pauli Salon (und die Arbeit dort) seit Jahren kenne, dieser auch schon für Veranstaltungen zur Verfügung stand und Projektträger für Alltagsbegleitung ist, war es dann irgendwie naheliegend unsere Angebote besser zu verknüpfen und die Bekanntheit des Salons zu nutzen. Mit dieser Idee bin ich auf offene Ohren gestoßen und nun startet die Umsetzung.

Wo und wann sind Sie denn im Hechtviertel anzutreffen?

Karolin Göhl: Jeden zweiten Dienstag im Monat stehe ich zwischen 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr im St. Pauli Salon auf der Hechtstraße 32 für Gespräche bereit. Anmeldungen nimmt Astrid Rabe telefonisch unter (0351) 27 21 444 entgegen. Ich freue mich aber auch über spontane Gespräche ohne Termin – diese Möglichkeit besteht.  


Wir bedanken uns bei Karolin Göhl für das Gespräch und wünschen einen guten Start im Hechtviertel.

Die Beratungsstellen der Ökumenischen Diakonie-Sozialstation Dresden-BÜLOWH gGmbH sind von der Landeshauptstadt Dresden geförderte und anerkannte Einrichtungen. Weitere Infos zu unseren Angeboten der Seniorenberatung erhalten Sie hier:

 

Seniorenberatung Dresden-Klotzsche (seit diesem Jahr auch mit Beratungsangeboten in Weixdorf und Langebrück)

 

Seniorenberatung Dresden-Neustadt

 

Seniorenberatungs- und Begegnungszentrum Dresden-Loschwitz